Minister Peter Hauk besucht Schorn & Groh
Das Vorhaben wurde im Rahmen des BIPL-BW Innovationsprogramms des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gefördert und steht beispielhaft für die Innovationskraft der regionalen Bioökonomie.
Vom Furnier zum flexiblen Hochleistungsverbund
Ausgangspunkt der Entwicklung war die Idee, den bekannten Echt-Holz-Verbund „NUO“ konsequent weiterzuentwickeln und ökologisch neu zu denken. Ziel war es, ein Produkt zu schaffen, das die natürliche Ästhetik von Holz mit modernster Materialtechnik verbindet und zugleich vollständig auf nachwachsenden Rohstoffen basiert. Während herkömmliche Verbundmaterialien synthetische Textilien und Klebstoffe auf petrochemischer Basis enthalten, setzt das neue FlexHolz-Material ausschließlich auf natürliche Bestandteile aus Baden-Württemberg.
Die dekorative Schicht besteht aus edlem Holzfurnier aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Zur Stabilisierung wird ein Gewebe aus Hanf- oder Zellulosefasern verwendet, das speziell auf Reiß- und Zugfestigkeit geprüft wurde. Der entscheidende Fortschritt liegt jedoch in der Klebstoffschicht: Statt Polyurethan oder PVAc kommt ein thermoplastischer Film auf Basis von Lignin zum Einsatz. Lignin ist ein natürliches Polymer, das bei der Holzverarbeitung als Nebenprodukt anfällt und hier erstmals als umweltfreundliche Bindekomponente dient. Das Ergebnis ist ein dekorativer, hochflexibler und zugleich biologisch abbaubarer Verbundwerkstoff, der in Optik und Funktion neue Maßstäbe setzt.
Der technische Schlüssel zur außergewöhnlichen Flexibilität des Werkstoffs liegt in der feinjustierten Lasergravur der Holzoberfläche. Nach dem Laminieren wird ausschließlich die dünne Furnierschicht mit einem Laserstrahl mikrosegmentiert, während das darunterliegende Textil intakt bleibt. Diese feine Strukturierung sorgt für eine besonders angenehme Haptik und ermöglicht die extreme Biege- und Zugfestigkeit des Materials. Durch die mikroskopisch feine Perforation kann FlexHolz zudem akustisch wirksame Eigenschaften entfalten – ein Vorteil für Anwendungen im Innenausbau, etwa bei Wand- und Deckenelementen mit schallabsorbierender Wirkung.
Wissenschaftliche Entwicklung und industrielle Umsetzung
Die Forschungsarbeiten begannen im Oktober 2022. Während die DITF Denkendorf die wissenschaftlich-technischen Grundlagen legten, konzentrierten sich Schorn & Groh und die NUO GmbH auf die praktische Umsetzung und die Übertragung der Ergebnisse in industrielle Produktionsprozesse. In zahlreichen Laborversuchen wurden geeignete Naturfasern analysiert und getestet. Hanfgewebe erwies sich als besonders geeignet, da es sowohl mechanisch stabil als auch ökologisch unbedenklich ist und sich gut in die Laminierung einfügt.
Parallel entwickelten die DITF einen Klebstoff auf Basis von Lignin, der ohne fossile Bestandteile auskommt und sich durch hohe Haftkraft und gute Verarbeitbarkeit auszeichnet. Durch das thermoplastische Verpressen wurde eine stabile Verbindung zwischen Holz und Textil erzielt, die in Abzugstests herausragende Werte erreichte. Schorn & Groh überführte diese Ergebnisse anschließend in die Produktion. In Zusammenarbeit mit Jura-Plast wurden Ligninfolien in unterschiedlichen Stärken hergestellt und auf industriellen Pressen zu großformatigen Blättern verarbeitet.
Auch in puncto Umweltverträglichkeit überzeugt das neue Material. In umfangreichen Tests wurde die biologische Abbaubarkeit der Komponenten untersucht. FlexHolz erwies sich als vollständig kompostierbar und zeigte keine toxischen Effekte. Selbst nach mehrmonatiger Belastung unter Feuchte- und Wärmeeinfluss blieb das Material formstabil und mechanisch belastbar. Ergänzend zu den hervorragenden mechanischen Eigenschaften wurde auch die Langzeitbeständigkeit des Materials untersucht. Prüfungen über 28 Tage bei 70 °C zeigten, dass FlexHolz selbst nach dieser Feucht- und Trockenlagerung eine hohe Weiterreißfestigkeit beibehält. Damit bestätigt sich die Eignung des Werkstoffs auch für anspruchsvolle Einsatzbedingungen und langlebige Anwendungen.
Minister Hauk lobt Innovationskraft und nachhaltige Wertschöpfung
Am 30. September 2025 besuchte Minister Peter Hauk MdL die Schorn & Groh GmbH und seine ebenfalls in Karlsruhe-Hagsfeld ansässigen strategischer Partner NUO GmbH, um sich vor Ort über das Projekt und seine Ergebnisse zu informieren. Bei einem Rundgang erhielt der Minister Einblick in die Entstehung des neuen Materials und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
„Es ist äußerst erfreulich, dass im Rahmen des BIPL-BW Innovationsprojekts und durch die Zusammenarbeit der Partner solch vielversprechende Ergebnisse erzielt werden konnten“, erklärte Minister Hauk. Er hob hervor, dass Projekte wie FlexHolz beispielhaft zeigen, wie Forschung, Handwerk und Industrie gemeinsam Lösungen entwickeln können, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich überzeugen. Zugleich warb der Minister für den Innovationspreis Bioökonomie Baden-Württemberg.
Für Schorn & Groh ist der Besuch des Ministers eine besondere Bestätigung der jahrelangen Forschungs- und Entwicklungsarbeit. „Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit unseren Partnern einen Werkstoff geschaffen zu haben, der nicht nur nachhaltiger ist, sondern auch industriell funktioniert“, so Rolf Loose-Leonhardt, Geschäftsführer bei Schorn & Groh und NUO. „FlexHolz beweist, dass sich ökologische Verantwortung und technische Innovation nicht ausschließen, sondern gegenseitig verstärken.“
Von der Forschung in die Anwendung
Nach Abschluss der Entwicklungsphase ist FlexHolz bereit für die industrielle Anwendung, die ersten großformatigen Demonstratoren wurden bereits gefertigt. Künftig soll das Material aktiv bei Kundenbesuchen präsentiert werden – insbesondere bei Partnern aus der Automobilindustrie, die nachhaltige Materialien für den Innenraum suchen. Auch in der Möbel- und Innenarchitekturbranche stößt die Innovation auf großes Interesse.
Mit seiner natürlichen Oberfläche, der hohen Flexibilität und der hervorragenden technischen Performance eröffnet FlexHolz völlig neue Design- und Verarbeitungsmöglichkeiten. Zugleich leistet das Material einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Mikroplastik und CO₂-Emissionen, da alle Hauptkomponenten auf nachwachsenden Rohstoffen basieren.
Die NUO GmbH, die aus dem Umfeld der Schorn & Groh gegründet wurde, treibt diese Markteinführung mit großem Engagement voran. Das Unternehmen entwickelt flexible Echt-Holzmaterialien, die sowohl in der Automobilindustrie als auch im Interior Design neue Akzente setzen. FlexHolz wird dabei als „next generation“-Produkt positioniert – als Verbindung von Natur, Technologie und Ästhetik.
Ein Beitrag zur nachhaltigen Zukunft
Mit FlexHolz ist ein Werkstoff entstanden, der nicht nur den Einsatz von Erdölprodukten vermeidet, sondern auch neue Wertschöpfungsketten in Baden-Württemberg schafft. Durch die Nutzung heimischer Rohstoffe und die Zusammenarbeit regionaler Unternehmen werden Transportwege verkürzt und CO₂-Emissionen reduziert. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Innovationskraft des Landes und zeigt, wie die Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“ in der Praxis umgesetzt werden kann.
Ein besonderer Innovationsaspekt liegt in der stofflichen Nutzung von Lignin, das als Nebenprodukt der Papier- und Zellstoffindustrie bislang meist verbrannt wird. Weltweit fallen jährlich über 80 Millionen Tonnen dieses biogenen Polymers an. Durch FlexHolz erhält Lignin erstmals eine hochwertige technische Anwendung und wird von einem Abfallprodukt zu einem funktionalen Bestandteil eines langlebigen, nachhaltigen Werkstoffes. Damit schließt das Projekt nicht nur den Materialkreislauf, sondern leistet auch einen messbaren Beitrag zur CO₂-Reduktion.
Für Schorn & Groh und die NUO GmbH ist das Projekt ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. Die Kombination aus Forschung, Materialkompetenz und handwerklicher Präzision hat gezeigt, dass ökologische Materialien längst mehr sein können als ein Nischenprodukt. FlexHolz steht für die Verbindung von Verantwortung, Innovation und Gestaltungskraft – und dafür, dass Zukunft aus Holz gemacht sein kann.