Wie der Scotch Club mit CoCo Eiche Geschichte neu inszeniert
Im neu eröffneten Hotel Kristberg in Lech am Arlberg trifft zeitgenössische Architektur auf gelebte Geschichte. Im Scotch Club prägen acsono AG und Schorn & Groh gemeinsam einen Raum, der Akustik, Atmosphäre und Materialität auf besondere Weise verbindet.
Mit dem Hotel Kristberg hat Familie Zimmermann oberhalb von Lech am Arlberg ein Haus geschaffen, das Herkunft nicht museal verwaltet, sondern atmosphärisch weiterdenkt. Der von cp architektur geplante Neubau wurde im Dezember 2025 eröffnet und vereint 27 Suiten, Spa, Salon Lech und den Scotch Club zu einem Ensemble, das alpine Gastlichkeit, Familiengeschichte und zeitgenössische Gestaltung präzise zusammenführt. Architektonisch lebt das Projekt vom Zusammenspiel aus Tragwerk und Transparenz: Ein massiver Kern aus dunklem Sichtbeton gibt dem Haus Rückgrat, während Glasflächen und schwarz lasiertes Holz die Landschaft ins Innere holen. Öffentliche Zonen wie Lobby, Bar und Salon Lech gehen fließend ineinander über; die Suiten setzen mit großzügigen Verglasungen, gefilterten Ausblicken und eigens entworfenen Einbauten auf Atmosphäre, Privatheit und Panorama.
Besonders verdichtet sich dieser Anspruch im Scotch Club. Was 1966 mit Egon Zimmermann begann, war über Jahrzehnte eine feste Größe im Lecher Nachtleben. Heute wird dieser geschichtsträchtige Ort neu interpretiert: in den frühen Abendstunden als Dinner Club, später als Bar und sozialer Treffpunkt mit eigener Dramaturgie. Familie Zimmermann führt damit jenen Geist weiter, der den Scotch Club schon immer ausgezeichnet hat: ein Ort für Begegnungen, Geschichten, gute Gespräche und Nächte, die in Erinnerung bleiben. Auch räumlich wird diese Haltung spürbar. Der Club öffnet sich mit gezielt gesetzten Blickachsen zum Dorfkern von Lech und verbindet so Innen- und Außenraum. Spiegelnde, bewegte Flächen verstärken die polygonale Geometrie, während Rostrot, Lila sowie Stoffe mit Anklängen an die 1970er-Jahre den Raum sinnlich aufladen. Ausgestellte Formel-1-Helme erinnern zudem an jene Zeit, in der der Scotch Club neben dem Ski-Jetset auch internationales Motorsportpublikum anzog. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die Decke: Mosaikartig gegliederte Holzelemente verbessern die Akustik, geben dem Raum Wärme und verankern ihn zugleich im alpinen Kontext.
Eine Schlüsselrolle in dieser Wirkung kommt acsono AG zu. Als Spezialist für raumakustische Lösungen prägte acsono den Scotch Club vor allem akustisch und setzte die markante Deckenlandschaft auf Basis des FineMicro Systems um. Das System ist für Anwendungen mit hohen akustischen, ästhetischen und hygienischen Anforderungen ausgelegt und eignet sich für Wand- und Deckenverkleidungen ebenso wie für Möbelelemente. Im Scotch Club wird diese technische Leistung zum atmosphärischen Bestandteil des Interior-Konzepts.
Über acsono entstand auch die Verbindung zu Schorn & Groh. Nach Projektangaben lieferte das Unternehmen für die Decke mehr als 500 m² Furnier-Fixmaße in CoCo Eiche Coffee. Der gewünschte Oberflächenausdruck war im Entwurfsprozess früh klar definiert: gesucht war ein Holz mit Tiefe, Wärme und zeitgemäßer Eleganz. Über Referenzprojekte, die acsono in die Bemusterung einbrachte, fiel die Wahl schnell auf CoCo Eiche; die konkrete Auswahl der Furniere erfolgte anschließend vor Ort bei Schorn & Groh in Karlsruhe. Diese direkte Materialauswahl verlieh dem Projekt eine zusätzliche persönliche Ebene.
Dass CoCo Eiche den Scotch Club prägt, ist auch inhaltlich stimmig. Das verwendete Eichen-Furnier basiert auf einem natürlichen Phänomen: der langsamen farblichen Veränderung von Eichenholz in moorähnlichen Milieus. Während jedoch bei echter Mooreiche – ebenso wie beim klassischen Räucherprozess mittels Ammoniak – das farbliche Ergebnis weitgehend dem Zufall überlassen bleibt und oft in unkontrollierbaren, tiefschwarzen oder bläulich-grünen Nuancen endet, schließt das innovative CoCo-Verfahren diese technologische Lücke. Das Prinzip der Natur wird hier technisch präzise nachempfunden. Der entscheidende Vorteil: Die Intensität der Verfärbung lässt sich exakt steuern. So ermöglicht das Furnier im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden auch helle und mittlere farbliche Abstufungen. Das Ergebnis ist ein vollständig durchgefärbtes Echtholzfurnier in warmen, erdigen Brauntönen. Im Scotch Club übersetzt dieses Material Geschichte in eine moderne Oberfläche: vertraut in der Anmutung, eigenständig in der Wirkung – und damit so zeitgemäß interpretiert wie der Ort selbst.